Der Journalist eines Provinzblättchens Erik Larsen, bekommt von dem auf einer Insel zurückgezogen lebenden Literaturnobelpreisträger Abel Znorko zugesagt, dass er ihn zu seinem neuesten Buch, „Die uneingestandene Liebe“, interviewen darf. Es ist Znorkos bisher bestes, aufrichtigstes und intimstes Buch. Larsen hinterfragt die persönlichen
Hintergründe dieses aus einem langjährigen Schriftwechsel zweier Liebender bestehenden Briefromans, dessen Widmung an „H.M.“ schon Rätsel aufgibt. Die Anfangs gereizt angespannte Begegnung entwickelt sich zunehmend in eine von Spannung getriebene Situation. Langsam tasten die Beiden sich an Antworten heran, die sie selber nie für möglich gehalten hätten und immer mehr Fragen tauchen auf, sodass man bald nicht mehr weiß, wer von beiden wem etwas entlocken will. Es ist ein Enigma, ein zu entschlüsselndes Rätsel, das es hier zu lösen gilt.
Eric-Emmanuel Schmitt führt an dieses Rätsel Schritt für Schritt heran und über pointierte Dialoge und überraschende Wendungen kommt Schicht für Schicht eine Wahrheit ans Licht, mit der keiner der beiden Männer gerechnet hat. Hochspannung ist bis zum Ende des Stückes garantiert.
Mit „Enigma“ ist Schmitt ein hochdramatisches und intelligentes Stück Schauspiel gelungen, in dem das Rätsel zwischenmenschlicher Beziehungen im allgemeinen und der Liebe im besonderen auf äußerst sensible Weise abgehandelt wird. Es gilt hier, was Eric-Emmanuel Schmitt zu seinem Stück „Kleine Eheverbrechen“ gesagt hat: „Liebe hat nichts mit Kennen zu tun, und erst recht nichts mit Besitzen. Wenn man jemanden liebt, bedeutet das, dass man dessen Geheimnis, sein Rätsel begehrt.“
Abel Znorko: Die Liebe! Wie lange seid ihr denn schon verheiratet?
Erik Larsen: Seit zwölf Jahren.
Abel Znorko: Zwölf Jahre? Dann ist das keine Liebe mehr, sondern Faulheit. Sie fühlen sich doch nur stark durch diese animalische Nähe, wie bei den Kühen im Stall, aber der alltägliche Trott reißt nicht die Trennwände ein; im Gegenteil, er errichtet Mauern, unsichtbare Mauern, Mauern aus Glas, die immer höher, im Laufe der Jahre immer dichter werden, ein Gefängnis bilden, in dem man sich zwar noch sieht, aber nicht mehr zusammenkommt. Der Alltag! Ach, wie schön die Liebe, die durch Gewohnheit einschläft, wie schön die Liebe, die sich mit Abnutzung zufrieden gibt, mit Abscheu, ja, schön die Liebe, die aus Müdesein besteht, aus stinkenden Socken, aus Nasepopeln und feuchten Fürzen unter der Bettdecke.
Erik Larsen: Sie sind ein Mann, der unfähig ist, etwas bei der Liebe zu lernen.
Abel Znorko: In der Liebe gibt es nichts zu lernen.
Erik Larsen: Doch, den anderen …
Pressestimmen zu Enigma von Eric-Emmanuel Schmitt
21.12.2010
Bis auf den Grund des Herzens
Wunderbare Premiere von „Enigma – Das Rätsel der Liebe“
Blau und leer ruht der Bühnenraum. Ein glattes, stilles Meer, das unter der Oberfläche Existentielles offenbart und mitten ins Menschsein katapultiert. Jenseits von Blau tobt ein Sturm von geschliffenen Dialogen, unverrückbaren Wahrheiten, beseelter Poesie und leiser Komik, die zur Premiere bis auf den Grund des Herzens reichen. Und weit darüber hinaus.
nbv-Intendant Michael Weger liefert als eitler Schriftsteller bei seinem Parforceritt zwischen glatt geschöntem Selbstbetrug und bitterer Einsicht ein schauspielerisches Glanzstück und stellt grandios ein „Raubtiergesicht“ zur Schau, das hinter der Maske aus Wut, Verbitterung und Härte das Portrait eines tief verletzten Mannes zeichnet, der nur mühsam die Einsamkeit bewohnt und mit Herzblut sein Dasein beschreibt.
An seiner Seite glänzt „Hausregisseur“ Eric Jan Rippmann, der als „hassgeliebter“ Besucher mit souveräner Hartnäckigkeit das Rätsel auflöst, das die Liebe zur gleichen Frau offenbart.
Fazit: Ein atemlos dichtes Kammerstück in Gemeinschaftsregie der beiden Akteure, zu Recht mit stehenden Ovationen bedacht.
(Irina Lino, Kronenzeitung)
Rätselhafte Verflechtungen um das "Enigma" der Liebe
neuebuehnevillach: Ihr neuester Coup gelingt. Ein intensiver Theaterabend mit bravouröser schauspielerischer Leistung!
(Ingeborg Muchitsch, KTZ)