Ein Schuhgeschäft, kurz vor Ladenschluss. Frau Stöckel entdeckt den Schuh, den sie unbedingt haben will, am Fuss der Frau Schuhbeck. Ein Kampf um diesen speziellen Schuh beginnt, vor den Augen der Schuhverkäuferin.
Und die Kampfzone weitet sich aus, denn Frau Schuhbeck muss bald nicht nur ihre Schuhe sondern auch ihre Ehe verteidigen als sich herrausstellt, dass Frau Stöckel die Geliebte ihres Mannes ist. Zusammen verbringen sie eine Nacht im Schuhgeschäft und versuchen, unter Anleitung der höchst esoterischen Verkäuferin, die um Beruhigung bemüht ist, in seltsamen Ritualen die guten Geister einzufordern und die bösen zu vertreiben. Eine Nacht, die allen nicht nur Selbst- sondern vor allem auch viel Fremderfahrung bietet.
Unser Häuptling erzählt Ausschnitte aus dem Leben dreier Frauen, erzählt von der Austauschbarkeit und davon, wie ein einziger Abend es wagen kann, über leidvolle Jahre zu lächeln, dass am Ende ein Herz stillsteht. Weil aller Hohn, alle Ironie für einen einzigen Abend den Platz von Schmerz und Trauer einnehmen, ein Lachen, ein Heulen ersetzt. Unser Häuptling erzählt von der Kraft von Momenten, die ein Herz in Bedrängnis führen kann, erfährt es zu viel Engpässe und Ablehnungen und davon, wie sich stille Trauer unter einem Lächeln anfühlt, den Moment zu genießen, und es erzählt von Fassaden von Menschen und Häusern.
(Catherine Aigner)
Verkäuferin: Höchster, glorreicher Franz von Assisi, erleuchte die Finsternis meines Herzens und schenke mir rechten Glauben, gefestigte Hoffnung, vollendete Liebe und tiefgründige Demut. Gib mir das Empfinden und Erkennen, damit ich dich sehen und hören und wir hier mit dir sprechen können.
Frau Stöckel: Ich überlebe. In einer Welt, in der Drogen und Krankheiten zirkulieren wie Drogen, reicht`s mir zu überleben. Nicht untergehen, bloß nicht untergehen. Reicht vollkommen.
Frau Schuhbeck: Irgendwo alleine sitzen, Krümel am Teller anstarren und dann den Teller spülen, nein lieber sitze ich alleine, starre Krümel am Teller an und weiß, ich warte auf jemanden. Soll er mir mit Abstand entgegenkommen, wenn nur noch einer da ist, mit dem man das eine oder andere noch verbindet. Bis dass der Tod uns scheidet.
Rosenregen und heftige Gefechte im Schuhsalon
"Schöne Momente kommen und gehen, die Depression bleibt treu", sind sich die drei Protagonistinnen im Drama der bayrischen Autorin Catherine Aigner einig. Ein Schuhkauf im spannend gelösten Bühnenbild von Paul Lerchbaumer gibt bald Anlass zu heftigen Auseinandersetzungen. Eine junge (Julia Cencig) und eine ältere (fulminant: Marie-Therese Futterknecht) Einkäuferin sind akkurat vom selben Schuhpaar überzeugt.
Der Streit gewinnt rasch an Schärfe, schon fliegen die Stöckel und balgt frau sich um - ja, worum eigentlich? Um den Mann, dessen Paar Schuhe die Frauen bilden. Die sich dauernd mit Tabletten versorgende Ehefrau "aus Gänsehaut und Krisen", gespielt von Futterknecht, sieht im Ehe- und Liebesleben ihre Felle davonschwimmen, obwohl sie sich um Gepflegtheit ("In meinem Alter sieht man sich viel von Freskenmalern ab") bemüht. Ihre jüngere (und im wirklichen Leben gleich alte) Rivalin, schrill, dümmlich und knackig gespielt von Julia Cencig, glaubt ein ebenso starkes Anrecht auf ihren Geliebten zu haben. Wenn die Verkäuferin, gekonnt gespielt von Eva Kuen, versucht, Streit und Schuhe zu schlichten, mixt sich in ihre helferische Art eine gehörige Prise Esoterik.
Das Drama haben die geschickten Bühnenbauer auf eine den Bühnenraum füllende Leiter verlegt, was den Darstellerinnen auch einiges an Akrobatik, manchmal bis ins Groteske weisend, abverlangt. Doch das nur etwas mehr als eine Stunde dauernde Stück hat nicht nur eine von Regisseurin Bernadette Sonnenbichler gut herausgearbeitete Situationskomik, sondern auch Tiefgang.
Weibliche Be- und Empfindlichkeiten apern aus dem Hand- und Wortgefecht. Sehnsüchte, etwa nach Art des Hildegard-Knef-Songs "Für mich soll's rote Rosen regnen", finden zwischen Komik und Verzweiflung ihre traurige Auflösung.
(Barbara Einhauer, Kleine Zeitung)